Mit dem Fahrrad auf dem Jakobsweg
21.06.2013 - Tag 13: Santiago - Santa Marina (45km, 1.100Hm)

Eigentlich wollte ich später los, aber man sagte mir hier, der Weg nach Fisterra sei deutlich anspruchsvoller und ich solle gleich in der Früh losfahren. Wie sich herausstellen sollte, war es sinnvoll, früh zu starten. Schade war jedenfalls, dass ich mich mit Christine nicht vor der Kathedrale hab treffen können. Vielleicht sieht man sich ja mal in der Heimat, um über die Erfahrungen zu plaudern. Schön wäre es...

    

In Santiago hatte ich dann erst ein paar Schwierigkeiten, den Einstieg in den Camino de Fisterra zu finden. Kurz nach Santiago war aber klar, dass der Camino Francés wohl deutlich besser ausgebaut war als das, was mich jetzt erwartete.

Auf den vielbeschriebenen fantastischen Blick zurück auf Santiago und die Kathedrale musste ich leider verzichten, da das Wetter einfach nicht mitspielte. Zumindest gesehen habe ich die Kathedrale, wenn auch im Dunst und Regen. Beim Frühstücken in Carballal traf ich auf zwei Stuttgarter, die von Saint-Jean-Pied-de-Port aufgebrochen waren und so wie viele Fußpilger über die Pyrenäen gelaufen sind. Sie hatten noch etwas länger zu laufen, um zum Cap Finisterre, dem Ende der Welt zu kommen. Guten Mutes starteten wir nach dem Frühstück auf den weiteren Weg.

Zum Teil ging's ganz schön steil bergauf, bei den Wegen kein Zuckerschlecken. Teilweise ist man auch im Matsch einfach stecken geblieben. Da wird das Fahrrad schon arg hergenommen.

Mit Ponte Maceira erreichte ich einen der schönsten Orte auf dem Camino de Fisterra. Die 150m lange alte Brücke spannt sich über den Tambre. Zeit, um kurz zu verweilen. Weiter ging's in Richtung Nagreira, wo ich zu Mittag essen wollte. Aber irgendwie waren alle Bars geschlossen. Irgendwann fand ich dann an der Straße in einem englischen Pub, in dem ich ein ausgiebiges Mahl zu mir nahm. Das hatte ich mir auch verdient.

    

Und wieder ging es aufwärts nach Vilaserio. Die Wege waren teilweise so gut wie gar nicht zu befahren, teilweise wunderschön. Kurz vor Santa Marina war die Beschilderung mal wieder alles andere als gut. Ich irrte etwas in der Gegend rum, fragte auch eine alte Bäuerin nach dem Weg, aber ich war mir nicht ganz sicher, ob sie so richtig verstand, was ich wollte. Ich fuhr also erst einmal zur Kreuzung zurück. Dort stand schon eine Frau, die genauso ratlos war wie ich. Sie war mit den Nerven und den Kräften am Ende und wollte sich ein Taxi rufen, um sich in den nächsten Ort fahren zu lassen. Es traf noch eine Südtirolerin ein, die auch nicht so recht wusste, wohin. Wir machten den Deal, dass wir beide in die Richtung starteten, von der wir ausgingen, dass es der richtige Weg sein und ich zurück komme, wenn es sich als falsch herausstellen sollte. Aber wir hatten Glück, es war der richtige Weg.

Ich erreichte also die Herberge "Casa Pepa", wo ich mir vorab ein Bett reserviert hatte. Ich duschte und richtete mein Bett her, bevor ich mich draußen in die Sonne setzen und ein Bier genießen wollte. Als ich mit meinem Glas ins Freie trat, saß da die Südtirolerin und genoss ein Glas Wein. Wir plauderten eine ganze Weile, bevor sie aufbrach. Sie wollte noch nach Ponte Olveira oder nach Olveira laufen und das waren immerhin so runde 10-12km und es war schon 16 Uhr. Aber die Dame machte einen durchtrainierten Eindruck. Ich schaute mir noch die kleine Kirche gegenüber an und verbrachte dann den Abend bei einem Pilgermenü in der Herberge. Alternativen hatte man in diesem Ort eh keine.

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