Mit dem Fahrrad auf dem Jakobsweg
14.06.2013 - Tag 6: Sahagún - Léon (62km, 360Hm)

Super, gleich beim Aufwachen legte Rosi wieder los. Diesmal war es eine Erkältung die im Anflug war, des kalten Windes wegen, der hier weht. Komisch, gestern hatte sie noch erzählt, dass sie mit dem Bus nach Sahagún gekommen war, da sie hier starten wolle. Ach ja und Herpes an den Lippen kommt jetzt auch noch dazu. Nachdem sie gestern noch getönt hatte, sie komme aus der Nähe von Straßburg, stellt sich heute heraus, dass sie aus Pirmasens kommt. Ich weiß nicht mehr, ob sie nicht frühstücken war oder ob sie einfach nur vor mir gegangen ist, jedenfalls war ich sie bald los. Bei Frühstück selbst traf ich noch Ton und Nel, ein Paar aus Holland, die auch mit den Fahrrädern unterwegs waren. Wir unterhielten uns eine ganze Weile und kamen entsprechend spät los.

         

Die Sonne brannte erbarmungslos, keine Wolke am Himmel. Doch zu spät los gekommen. Auf dem Weg nochmal kurz Rosi gesehen, wie sie gerade die Straße entlang lief. Weiter ging's durch die endlosen Weiten der Hochebene. Mal auf Schotterpisten, mal auf kleinen Sträßchen. War richtig schön, durch die Einsamkeit zu radeln. Und da es nicht die Hauptstrecke war, diese führte wohl hauptsächlich an einer Teerstraße bzw. in der Nähe einer Autobahn vorbei, waren auch relativ wenige Pilger unterwegs.

 

Unterwegs konnte man auch noch ein Stück des alten Pilgerwegs betrachten, wie er im Mittelalter für die Pilger angelegt war. Dort sah ich auch einen Priester, der vor sich hin pfeifend mit einer Gruppe junger Frauen pilgerte. Und so verging die Zeit wie im Flug, auch wenn es durch die Hitze recht anstrengend war. Bald war Léon erreicht. Da eigentlich fast jeder Pilger auf dem Camino Francés hier übernachten will, herrscht großer Andrang. Noch vor der Einfahrt in den Stadtkern waren auf einem Platz Tische aufgebaut und die Stadt verteilte Stadtpläne, stempelte die Pilgerpässe ab und stand mit Rat und Tat zu Seite. Da ich auf dem Weg nach Léon weitere Gänge bei meinem Fahrrad verloren hatte, musste ich hier nochmals zu einer Fahrradwerkstatt. Auch hier wussten die Damen und Herren an der Anlaufstelle Rat. Aber erst einmal in die Stadt, ein Bett suchen. Dies war schnell gefunden, wieder bei den Benediktinerinnen.

Nur diesmal nicht im gemütlichen 4-Bett-Zimmer, sondern in einem Schlafsaal mit 80 Betten. Sauber nach Männlein und Weiblein getrennt (das erste und einzige mal auf der Reise). Unter mir lag ein Franzose und der sollte mir morgen früh noch richtig Freude bereiten. Ansonsten war es nicht die beste Herberge, aber es gab auch schlechtere auf dem Weg. Nachdem alles gerichtet war, habe ich mein Fahrrad in die genannte Werkstatt gebracht. Man wollte die Schaltung erst einmal reinigen (damit meinte er wohl die brachiale Methode mit dem Hochdruckreiniger) und neu einstellen. Mein Rad könne ich dann um 17 Uhr wieder abholen. Von daher bin ich erst einmal zurück in die Stadt. Die Holländer hatten mir eine SMS geschickt, dass sie zwischenzeitlich eingetroffen sind und so verabredeten wir uns an der Kathedrale, um diese gemeinsam zu besichtigen.

    

Nach der Besichtigung tranken wir noch ein Bier und gingen dann zum Abendessen. Dazu trennten wir uns wieder, da die Beiden in der Herberge ein Pilgermenü bestellt hatten, ich aber lieber in eines der Restaurants gegangen bin. Das "Gute-Nacht"-Bierchen haben wir dann anschließend gemeinsam getrunken. Anschließend ging's dann ab in den Schlafsaal.

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