Mit dem Fahrrad von Oslo nach Flensburg
13.06.2025 - Tag 2: Oslo - Vestby (106km, 1.120Hm)
Als ich so gegen 7:00 Uhr zum Frühstück kam, traute ich meinen Augen nicht. Da waren mehr Chinesen in dem vollbesetzten Frühstücksraum als in Shenzhen, zumindest gefühlt. Und dazwischen, in aller Herrgottsfrüh auch jede Menge Rentner. Wo war ich da bloß hingeraten?
Egal, ich konnte genug Kalorien und Flüssigkeit bunkern, so dass ich eine Weile auf dem Rad sitzen konnte.
Nach einem schnellen und problemlosen Check-Out startete ich kurz nach 8:00 Uhr auf meine Tour.
Los ging es in Richtung Jessheim und dann auf bekannten Radwegen durch tolle Landschaften nach Lillestrom.
Auch hier waren die Wege bekannt, so dass ich die Stadt schnell passieren konnte. Besonders in Erinnerung ist mir hier ein Café im Zentrum geblieben, bei dem die Gäste entlang der Fenster saßen und ihren Café genossen.

Weiter ging es in Richtung Oslo. Nach ca. 2 Stunden erreichte ich die Stadtgrenze genau an der Stelle, an der ich letztes Jahr auch vorbei kam. Nicht der schönste Ort, aber immerhin war ich jetzt in Oslo (zumindest im Großraum).
In Höhe des Vororts Lindeberg traute ich meinen Augen kaum. Hier stand mitten in den dicht bebauten Zonen doch ein landwirtschaftlicher Hot auf einer kleinen Anhöhe im Grünen. Und des Kitsches fast schon zu viel, standen auch noch Kühe davor.
Auf dem Weg weiter runter Richtung Meer, kam ich auch wieder an den Häusern vorbei, die ich letztes Jahr so faszinierend fand.
Kurz vor dem Munch-Museum sah ich auch noch ein Haus mit einer Feuerleiter, wie man sie sonst nur aus den amerikanischen Großstädten kannte. Das wäre gerade das Richtige für mich, da runter zu müssen. Ich mag gar nicht dran denken...

Dann war ich wieder da, wo ich letztes Jahr Oslo erreicht hatte. Ab hier begab ich mich nun auf neue Wege und neue Abenteuer.

Der Unterschied hätte nicht größer sein können. Von den beschaulichen Radwegen und schönen Straßen (mal von der Autobahn (oder zumindest autobahnähnlichen Straßen im Osten Oslos) ging es jetzt direkt auf ein Brückengewirr und einen Radweg direkt neben einer Ausfallstraße. Ich war zuerst irritiert, dass es hier nach Göteborg (da wollte ich hin) und Stockholm ging (da kam ich letztes Jahr her), aber ich dachte mir dann "Es wird schon passen."
Ab jetzt sollte es die nächsten 25km bergauf gehen. Am Ende des Aufstiegs sollte ich dann bei auf 150m ü.NN. sein. Allerdings waren wesentlich mehr Höhenmeter zu erwarten, da immer wieder mehr oder weniger lange Abfahrten gab, di man dann auf der anderen Seite eben wieder hoch musste. Es war faszinierend, wie schnell sich die Ansichten änderten. Erst noch der Containerhafen, wenige Meter weiter dann die Freizeitboote. Völlig unterschiedliche Welten.
Weiter ging es am Meer entlang, wo es immer wieder traumhafte Ausblicke gab. Da konnte man während des Radelns träumen.
Dann ging es an einem Bach (oder kleinen Fluss, wer weiß das schon so genau) entlang, der mich auf einem kleinen Nebensträßchen zum See Gjersjøen brachte.

Langsam aber sicher machte sich der Hunger breit, also musste was zum Futtern her. War aber nicht ganz so leicht: Der erste Imbiss hatte geschlossen. Die zweite erreichbare Anlaufstelle war ein etwas besseres Restaurant, also nicht das, was ich suchte. Im dritten Anlauf klappte es dann endlich. Eine Imbiss mit Terrasse und Sitzgelegenheit im Schatten. Die Auswahl war eher dürftig, aber ich dachte, an einer Kartoffel mit Schinken und Käse kann man ja nicht so viel verkehrt machen, auch wenn sie recht teuer war. Denkste, bei der Portion habe ich erstmal geschluckt. War das ein Ding, alles habe ich nicht geschafft, aber das meiste.
Gut gestärkt ging es weiter. Der Wind blies immer noch kräftig von vorn, aber zumindest blieben die angekündigten Böen aus. Aber es war schon eine Schinderei. Es gab aber auch immer wieder nette Situationen. Am Straßenrand tauchten dann auf einmal ein paar Ziegen auf, die mich beobachteten.
Kurz danach, in Höhe der Rastanlage Støkken Nord an der E6 fühlte ich mich an den Jakobsweg erinnert. Hier stand auch ein Speicher auf kurzen Füßen, damit die Mäuse nicht rein kamen.
Bei Holen folgte ich dann, meinem heutigen Ziel immer näher kommend, wieder mal einem größeren Bach. Es war wieder so richtig schön und friedlich, am Bachlauf zu folgen.
Dann erreichte ich auch schon Bervik und folgte dem Weg am Hallenbad vorbei durch den Park. Eigentlich eine blöde Idee, da ich dort über einen gekiesten Weg fahren musste. Aber da hatte ich schon schlimmere Wege befahren.
Aber dafür wurde ich auch gleich entschädigt. Als ich aus den Park raus fuhr, sah ich wieder das Meer. Was für ein Anblick...

Dann erreichte ich einen Parkplatz vor einem Kindergarten, bei dem mini Navi meinte, es geht rechts hoch in den Wald. Aber da war nur ein ziemlich schlechter Waldweg hoch, hier konnte es doch nicht sein. Unten stand nur ein Schild, welches zu einer Pilgerherberge zeigte.
Ich fragte eine Frau, die zum Kindergarten ging, wo denn meine Unterkunft wäre, sie hatte auch keine Ahnung. Eine weitere Frau meinte, es gibt hier nichts, außer eben diese Pilgerherberge den Weg hoch. Also habe ich mein Rad hochgeschoben. Zuerst sah ich ein Haus mit einer Art Glockenturm davor, dann stand plötzlich doch vor dem Haus, welches ich vom Buchungsportal her kannte. Nachdem auch der Code für den Schlüsseltresor richtig war, stand fest, dass ich meine Unterkunft Gjestehus 1 Solåsen für heute gefunden hatte.

Ich hatte Glück und ich war der einzige Gast heute, so dass ich das ganze Häuschen für mich alleine hatte. Wenn da mehrere Personen gewöhnt hätten, wäre es ganz schon kuschelig geworden, aber so war es für eine Nacht ok. Einfach aber ausreichend und günstig.
Um für das Abendessen einzukaufen musste ich fast 2km zum Supermarkt laufen. Dabei ging es durch eine kleine Siedlung den Hügel hinab (und anschließend natürlich auch wieder rauf). Da die Küche (bzw. das was sie als Küche bezeichneten) recht spartanisch war und das Geschirr etc. alles in einer Plastikwanne im Bad gewaschen werden musste, beschloss ich für den Abend, dass ein kalter Wrap und 2 Trinkjoghurts reichen mussten. Ich hatte heute Mittag ja schon die riesige Kartoffel. Für das Frühstück hatte ich auch gleich mit eingekauft, so dass alles da war.
Nach dem Abendessen versuchte ich noch einen nahegelegenen Cache zu finden, aber außer einem Treffen der Bewohnerin des Haupthauses, die wohl schauen wollte, warum ich da über die Steine stieg, kam nichts dabei raus. Hier gab es kein Logbuch für mich, dafür einen grandiosen Ausblick auf das Meer.
































