Mit dem Fahrrad von Oslo nach Flensburg
19.06.2025 - Tag 8: Varberg - Båstad (117 km, 668 Hm)
Als ich aufwachte und aus dem Fester sah, fiel mir als aller erstes der stramme Wind auf. Das konnte ja heiter werden,,,
Pünktlich um 7:00 Uhr stand ich vor dem Frühstücksraum, aber da war kein Leben. Ich wartete und gegen 7:15 Uhr sah ich hinter dem Fenster jemanden rumspringen. Also klopfte ich ans Fenster und siehe da, mir wurde die Tür geöffnet und ich konnte als ersten und auch einziger Gast in diesem Moment mein Frühstück genießen. Anschließend noch den Rest zusammengepackt, das Fahrrad wieder heruntergetragen und den Schlüssel in die Box geworfen.
Und so konnte ich um 8:00 Uhr starten, also nachdem ich mein Fahrrad die Rampe hinuntergeschoben hatte. Zuerst musste ich jedoch nochmal zu Statygruppen ''Vattenbäraren'' (Skulpturengruppe "Der Wasserträger", die auf dem Platz vor der Kirche standen. Ich hatte gestern irgendwie versäumt, Fotos zu machen.
Und so verließ ich Varberg mit einer kleinen Verspätung und radelte beschwingt in Richtung Süden, dem Radweg "Kattegattleden". Der Wind kam heute erfreulicherweise von hinten, nur zeitweise mal seitlich. Was mich heute erfreute, sollte ich ich in einigen Tagen allerdings bitter bezahlen.
Kurz, nachdem ich Varberg verlassen hatte, musste ich doch grinsen. Da stand am Wegesrand doch echt ein Schild, welches zu einem WC für Radler wies. War zwar 1,5km entfernt, aber immerhin eine nette Geste.
Ein kurzes Stück weiterbei Björkäng gab es wieder einen tollen Blick über die Weisen zum Meer. Was das schön hier...
Die nächste Stadt, die ich erreichte war Falkenberg, eine Kleinstadt mit rd. 25.000 Einwohnern. War richtig nett mit der Kirche und vor allem dem Fluss Ätran, der hier ins Meer mündete. In der Ätran kann man wohl, gerade hier bei Falkenberg, gut Lachse fangen.
Dann ging es, bis auf wenige Ausnahmen, immer recht nahe am Meer entlang durch die tolle, abwechslungsreiche Landschaft.
Bei Stensjö tauchte am Radweg ein Schild auf, welches auf "Kerstins Saftdepa" hinwies. Kurze Zeit später tauchte auch tatsächlich das Saftdepa auf. Eine Kühlbox mit zwei Liegestühlen am Wegesrand, wo man seinen Smoothie herausnehmen konnte. Bezahlt wurde einfach per Swish, einem schwedischen Bezahlsystem, welches jedoch aktuell ein schwedische Bankkonto voraussetzt. Ich konnte mit also nicht rausnehmen, aber dafür wurde mir ein paar Meter weiter von "Kerstins Saftdepa" eine gute Weiterfahrt gewünscht. Ein paar Meter weiter den Radweg entlang standen wieder zwei Stühle rum, diesmal neben einem Gefrierschrank, mit Eis am Stiel, bei dem man sich auf die gleiche Art und Weise bedienen konnte.
Und weiter ging es wieder in Richtung Meer mit einer tollen Aussicht auf die Brandung.
Bei Haverdalsstrand stand dann am Wegesrand wieder ein Schild mit dem Hinweis auf die Angebote eines Campingplatzes. Hier gab es von Essen, Getränken alles bis hin zur Toiletten. Ich entschied mich für, wen wundert es, eine Cola und dann vor allem ein Garnelensandwich. War das lecker und vor allem verhältnismäßig günstig.
Als ich gerade losfahren wollte, kam der alte Mann mit seinem minimalistischen Gepäck, den ich in Göteborg getroffen hatte, angeradelt. Er zieht das mit dem kleinen Täschchen auf dem Fahrrad durch. Chapeau...
Die nächste Stadt, die ich erreichte war Halmstad, eine durch recht große Stadt mit rd. 66.000 Einwohnern an der Mündung der Nissan. Zuerst fuhr ich am Flughafen vorbei, bei dem ein altes Saab Kampfflugzeug Werbung für den Airport machte. In Richtung Stadtzentrum war recht nett zu radeln, es kam einem gar nicht so richtig wie in der Stadt vor.
Auch das Zentrum war echt schön. Ist halt immer etwas besonderes, wenn ein Fluss durch die Stadt fließt. Und so machte es mir nicht einmal etwas aus, dass so eine Stadtdurchfahrt immer sehr viel Zeit kostet.
Bei Eldsberga musste ich kurz auf eine vielbefahrene, schmale Landstraße ausweichen, bevor ich wieder auf ruhige Nebensträßchen abfahren konnte. Hier ging es dann auch endlich wieder in Richtung Meer.
Kurz vor Mellbystrand führte der Fahrradweg direkt an der Autobahn vorbei, nicht schön, aber alternativlos. Nach einem kurzen Stopp an der Raststätte (man kam glücklicherweise vom Radweg über den Parkplatz zu Shop) ging es weiter. Kurz nach der Raststätte ging es rechts in eine Naturschutzgebiet mitten im Wald und es ging weiter über kleine Nebenstraßen.
Am Ende von Mellbystrand ging ich dann noch über die Düne zum Meer. War das schön, sich die salzige Meerluft um die Nase wehen zu lassen und den Blick schweifen zu lassen.
Nach dem kurzen Strandbesuch wurde es Zeit, in die Unterkunft zu fahren. Heute mal kein Hotel, sondern eine Ferienwohnung. Es dauerte nicht lange, da erreichte ich auf kleinen Sträßchen oder Radwegen das Örtchen Båstad mit seinen ca. 5.000 Einwohnern. Für mich hieß es aber erstmal noch den Hügel hoch, um zu meiner Unterkunft zu kommen.
Der Schlüssel lag unter einem Blumentopf unter der Veranda, das Fahrrad konnte mit rein und ein doppelter Satz Handtücher fand ich im Schrank.
Nach dem obligatorischen Waschen der Wäsche und einem kleinen Nickerchen, ging ich zur Hauptstraße hinunter und schaute mal nach einer Futtermöglichkeit für abends. War jetzt nicht ganz so das, was mir so vorschwebte und so kaufte ich im nahegelegenen Supermarkt ein, damit ich für heute Abend und morgen früh genügend zum essen hatte. Morgen war ja wieder wegen Midsommar alles zu.
Ich wollte vor dem Abendessen noch ans Meer. Auf dem Weg war noch ein kleiner Park mit Brunnen und nett gemachter Bepflanzung, so dass ich erst hier noch etwas verweilte.
Und dann war ich wieder am Meer. Schön, wie die Sonne sich im Meer spiegelte und eine traumhafte Stimmung zauberte. Ich verzweifelte aber irgendwie an der Menschheit. Da gab es doch echt ein Gestell, in dem man sein Handy hineinlegen konnte, um ein Bild vom Meer und dem Strand zumachen. Braucht man dazu echt so eine Hilfe? Kann man das nicht mehr frei Hand machen? Und ich war ausgeschlossen von dem Hilfsmittel, meine Kompaktkamera passte da nicht rein.
Ich ging zurück in die Wohnung und kochte mir mein Abendessen, richtete alles für morgen her und ging früh zu Bett. Es war meine letzte Nacht in Schweden, Für morgen war die Überfahrt nach Dänemark geplant.

































