Mit dem Fahrrad von Oslo nach Flensburg
24.06.2025 - Tag 13: Svendborg - Flensburg (100 km, 947 Hm) und die Heimreise am Tag darauf
Die Wetterprognosen für heute waren nicht wirklich gut, viel Wind aus westlicher Richtung (bis 35km/h, in Böen bis 65km/h), kaum Sonne, Schauer. Das konnte ja was werden. Und so startete ich schon um 7:00 Uhr morgens, damit ich, wenn das Wetter zu schlecht werden sollte, noch Puffer hatte, um mich unterzustellen und auf bessere Konditionen zu warten.
Da ich gestern hinunter zum Meer gefahren war, musste ich heute als erstes den Hügel wieder hoch. Da die Luft noch angenehm kühl war, fiel der Anstieg nicht schwer. Ob angekommen, sah ich am Ortsausgang eine Wohnsiedlung, die es in Deutschland so wohl nicht geben würde. Aber hier funktioniert es wohl.
Auf meinem Weg zur Fähre kam ich am Hvidkilde See vorbei. Der See an sich lag ja schon wunder schön, aber der Fahrradweg war der Kracher. Führte er doch auf einem Holzsteg über den See, parallel zur Straße. Wie abgefahren war das denn, wenn kein Platz ist, wird halt unkonventionell gearbeitet.
In Ulbølle stand wieder einmal eine der vielen Windmühlen.
Weiter ging es, nach einem kurzen Stück auf der Hauptstraße, über schöne, ruhige Sträßchen. Wäre der Wind nicht gewesen, wäre es ein Träumchen gewesen, so war es einigermaßen harte Arbeit, um voranzukommen.
Zwischen Diernæs und Kaleko hatte man, mal wieder, einen wunderbaren Blick auf die Landschaft. Schon schön hier auf der Insel Fünen.
Dann erreichte ich die Kleinstadt Faaborg, von der aus einige Fährverbindungen abgingen, allerdings nicht meine. Ich musste nach Bøjden. Dafür durfte ich im Hafen noch etwas Kultur genießen und die Skulptur „Sejl“ betrachten.
Dann ging die Straße ab nach Bøjden zu meiner Fähre. Die Wolken am Himmel wurden immer dunkel und unheilvoller.
Nach kurzer Fahrt erreichte ich die Zufahrtstraße zum Fährhafen. So nah am Meer pfiff der Wind richtig und die Fahrt hinunter zum Meer war eher der Kategorie unangenehm zuzuordnen. Wobei die letzten 600-700m über den Damm waren die Hölle. Der Wind kam einfach ungeschützt direkt von vorne und dazu noch stark böig. Zudem begann es leicht zu regnen. Ich war froh, als ich endlich den Fährhafen erreicht hatte. Blöderweise war die Wartehalle wegen Renovierungsarbeiten gesperrt. Da ich aber schon um 9:20 Uhr hier ankam, ich meine Fähre aber erst um 13:00 Uhr gebucht hatte, musste ich versuchen umzubuchen. Am Fährhafen selbst war natürlich niemand und über die Gegensprechanlage war niemand erreichbar. Als ich dann eben eine neue Fahrkarte buchen wollte, ging es mit meiner Reservierungsnummer dann doch, auf die nächste Fähre umzubuchen.
Um 9:30 Uhr lief dann auch die Fähre im Hafen ein und wurde dann im Anschluss entladen.
Da es keinen anderen Unterschlupf vor Wind und Regen gab, schützte ich mich, so gut es eben ging, am Wartepunkt für Rollstuhlfahrer. Dort war es wenigstens etwas windgeschützt und es gab ein kleines Dach.
Als die Fähre entladen war, kam ein Mitarbeiter die Rampe runter und fragte mich, als er mich da sitzen sah, ob ich auf die Fähre wolle. Er hat mich dann gleich auf die Fähre gelassen, obwohl sie noch gar nicht mit dem Beladen angefangen hatten. Er meinte nur, dass es ja nicht nötig wäre, dass ich hier bei Wind und Regen weiter warten müsse. Also ich rauf auf die Fähre, Fahrrad verstaut (man beachte die Sicherung), hoch auf Deck gegangen und in der Cafeteria erst einmal eine Wurst, Cola und Kaffee bestellt. Das tat gut und war im Trockenen. Der Blick durch das Fenster in Richtung Als, also unserem Ziel, sah jedenfalls nicht gut aus.
In Fynshav angekommen, hatte der Regen zum Glück schon aufgehört. Ich bin dem Regenschauer doch tatsächlich durch die Fährfahrt entkommen.
Jetzt ging es dann der Hauptstraße entlang, natürlich auf und ab, aber es gab sensationelle Ausblicke auf die Landschaft.
Bei Almsted steht eine Gedenkstatte für Martin N. Hansen, einem dänischen Dichter. Ich hatte noch nie von diesem Herrn gehört, aber scheinbar war er berühmt genug, so dass diese Gedenkstätte 1993 errichtet wurde.
Kurze Zeit später zog ich mir zum ersten Mal auf dieser Reise die Regenklamotten an, da es wieder zu tröpfeln begann.

Bei Augustenborg ging es dann nach Sønderborg. Ich überlegte kurz, ob ich nicht doch nach Nordborg fahren sollte, da war ich schön öfter. Aber nein, Sonderbog gefiel mit besser und lag auch auf dem Weg nach Flensburg.
Am Wegesrand tauchte, seit langem mal wieder, eine Reparaturstation für Fahrräder auf. Da hier eine Luftpumpe vorhanden war, nutzte ich die Gelegenheit und kontrolliert meinen Luftdruck. Seit meinem Platten war dies das erste Mal, dass ich ihn kontrollieren konnte.
Dann ging es parallel zu Hauptstraße auf einem parallel verlaufenden Radweg in Richtung Sønderborg. Wie oft bin ich auf dieser Straße schon mit dem Auto nach Nordborg und zurück gefahren, aber noch nie mit dem Fahrrad. Schön war es zwar nicht, so nah an der Hauptstraße zu fahren, aber der einzig mögliche Weg.
Kurz vor Sønderborg fing es dann tatsächlich an zu regnen. Von daher war die Stadt etwas trostlos und es machte nicht wirklich Spaß. Aber der Regen hörte schon nach 15 Minuten auf. Von der Fußgängerzone fuhr ich hoch zur Kirche und dann weiter Richtung Westen, dem Wind entgegen.
Nachdem ich Sønderborg verlassen hatte, sah ich die Dybbøl-Mühle. In dieser Gegend sind sich die Truppen Dänemarks und Preußens 1884 in der Erstürmung der Düppeler Schanzen aneinander geraten.
Immer wieder zogen am Himmel dunkle Wolken auf, die nichts Gutes verhießen, aber es blieb trocken oder es hörte zu regnen auf, bevor ich kam. Am Rad weg dann ein ausgewiesener Parkplatz für Radler. War interessant, in einem Turm war etwas Platz und ein Sitzplatz. Auf was für Ideen die Leute kommen.
In Engernsund fielen mir die roten Häuser am Wasser auf, die einen schönen Kontrast zu dem trüben Wetter heute bildeten.
Langsam aber sicher machte sich der Hunger breit und es musste was zu futtern her. Die Power-Bar-Riegel erzeugten heute bei mir Sodbrenne, so dass ich keinen weiteren essen wollte. Und die Snickers war aus. Aber hier war es wie in Schweden, nichts kam des Weges entlang. Dann sah ich das Schild mit der Kaffee-Tasse. Blöd nur, dass sie hier von 11:30 Uhr - 15:00 Uhr Mittagspause hatten. Und ich war um 13:30 Uhr da.
Also musst ich weiter die Straße entlang fahren, in der Hoffnung, dass bald eine andere Verpflegungsstelle kam.
In Sonderhav stand am Straßenrand ein gravierter Stein auf einem kleinen Hügel. Es handelt sich wohl um einen Gedenksteine (oder Wiedervereinigungsstein). Etwas genaueres habe ich nicht herausfinden können, wäre aber interessant, um was es sich hier genau handelt.
Ein paar Meter später stand rechts auf einem Parkplatz ein Imbisswagen. Die Sache lief gut für mich, sie akzeptierten Kartezahlung (wie halt überall in Dänemark). Also bestellt ich eine Wurst und eine Cola und kam, während der Sohn ziemlich umständlich die Wurst briet, mit der Inhaberin ins Gespräch. Sie war ursprünglich aus Heidelberg und war mit ihren Eltern vor 35 Jahren nach Dänemark ausgewandert und dann geblieben. War die Wurst und die Cola gut. Von hier aus waren es noch 16km und 3 Anstiege bis zum Hotel.
Die Wolkenzeichnung am Himmel hier war echt gut und es war ein traumhafter Blick aufs Meer.
Und dann war ich auch schon an der deutschen Grenze und damit, mur ein wenig weiter, in Flensburg.
Jetzt noch die letzten Kilometer durch Flensburg und zum Hafen.
Und dann war ich um 15:30 Uhr am letzten Hotel dem Ramada by Wyndham direkt am Hafen. Der Blick aus meinem Fenster war echt toll, direkt auf den Hafen und die östliche Altstadt. Und wieder hatte ich Glück, es begann erst zu regnen, als ich im Hotel war.
Da ich heute nicht mehr waschen musste, konnte ich alles gemütlich angehen lassen. Ich schlenderte etwas durch die Stadt und sah dann auch die durch die Presse bekannten besonderen Ampeln.
Dafür war Hein Blöd auf de Stromkasten eine Augenweide. Und schon sieht so ein Stromkasten gar nicht mehr so grau aus.
Ich aß noch in Hansens Brauerei zu Abend und ging dann, natürlich im Regen, zurück auf mein Zimmer. Ich packte noch schnell für morgen früh, damit ich morgen etwas länger schlafen konnte. Der Blick aus meinem Zimmer war auch bei einsetzender Dämmerung wunderbar.

Am nächsten Morgen fuhr ich die ca. 2km vom Hotel zum Bahnhof. In der Bahnhofstraße war irgendeine Demo oder was auch immer, bei der ein alter Mercedes mit 4 Männern mit Zylindern auf dem Kopf voraus fuhr.
Ich fuhr weiter zum Bahnhof und bekam noch einen Platz für mein Fahrrad, so dass es pünktlich mit dem Regionalexpress nach Hamburg ging. Der Blick von der Rendsburger Hochbrücke auf den Nord-Ostsee-Kanal war grandios. Und so erreichte ich um 11:15 Uhr den Hamburger Hauptbahnhof.

Da mein Zug nach Augsburg erst um 13:30 Uhr ging, hatte ich genügend Zeit. Also wollte ich den Bahnhof verlassen und lief mit meinem Fahrrad in Richtung Kichenallee. Da wurde mit auf dem Handrücken warm. Mich traf fast der Schlag, al sich die Bescherung sah. Da hat doch echt eine Taube die Frechheit gehabt. mit auf meinen Handrücken zu kacken.

Nachdem ich die Scheiße von der Hand gewaschen hatte, verfolgte ich mein eigentliches Ziel weiter. Ich fuhr zu den Landungsbrücken und gönnte mit eine Fischsemmel. Ich blieb noch ein bisschen an den Landungsbrücken, bevor ich mich zurück zum Bahnhof aufmachte.
Eigentlich hat mit der Bahn diesmal fast alles geklappt. DA die Anschlusszüge noch später dran waren als der ICE habe ich alle Verbindungen bekommen und bis auf Kaffee gab es im Board-Restaurant auch alles. Und so war ich dann gegen 20:45 Uhr wieder zurück.
Es war eine schöne Radreise, auch wenn die letzten beiden Tage wegen des Windes ziemlich anstrengend waren.









































