Mit dem Fahrrad von Oslo nach Flensburg
20.06.2025 - Tag 9: Båstad - Kopenhagen (121 km, 696 Hm)
Nach einen unkonventionellen Frühstück in der Wohnung, startete ich frisch gestärkt schon um 7:20 Uhr auf meine heutige Etappe.
Zuerst ging es wieder hinunter zur Hauptstraße und dann wieder den Hügel hoch. Ein gutes Training, um gleich in der Früh warm zu werden. Dafür hatte man oben einen schönen Ausblick auf die Landschaft.
Bald führte mich meine Route auf eine alte Eisenbahntrasse, auf der, zumindest am Anfang, einige Skulpturen und Figuren standen. Die Figur erinnerte mich an das erste Spiel der Serien "Squid Game" - rotes Licht, grünes Licht.
Nachdem ich die Figuren hinter mit gelassen hatte, folgte ich der Trasse durch den Wald. Es war herrlich, die Luft war noch kühl und frisch und es roch angenehm nach Wald.
Im nächsten etwas größeren Ort Förslöv stand wieder eine interessante Kirche mit einem relativ großen Friedhof. Aber irgendwie war hier nichts los auf den Straßen, alles wie ausgestorben.
Weiter ging es über das weitgehende flache Land, bis bei Barkåkra eine schöne Kirche aus dem 12. Jahrhundert auftauchte. Hier war außer der Kirche und dem Friedhof beidseits der Straße eigentlich nichts. Früher war das wohl mal anders...
Dann erreichte ich Ängelholm, eine Stadt mit rd. 27.500 Einwohnern. Eigentlich ein schönes Städtchen, aber irgendwie hing hier auch der tote Hund überm Zaun. Aber klar, heute war ja Midsommarafton, da feiern die Schweden ja lieber.
Über das flache Land, ab und zu tauchte mal eine Farm auf, ging es weiter Richtung Süden, bis bei Fleninge eine weitere, in weiß gehaltene Kirche mit einem großen Friedhof auftauchte.

Kurz danach tauchte dann der erste Hinweis auf die Fähre nach Dänemark auf. Ich war also auf dem richtigen Weg.
Eine ½Stunde später erreicht ich dann Helsingborg und fuhr genau auf die imposantes Bauwerk zu. Entgegen meiner Vermutung ist hier kein Museum, keine Universität und auch keine Bibliothek untergebracht, sondern scheinbar normale Geschäftsräume und Arztpraxen. Verrückt, aber so kann man sich täuschen.
Auf dem Weg zum Fährhafen war ich etwas verwirrt. So viele Schilder, da weiß man gar nicht wohin...

Noch einmal einen Schlenker gefahren und in dem breiten Zufahrtstrichter zwischen allen LKW und PKW mit dem Fahrrad durch, um dann am Schalter das Ticket gekauft. Glück gehabt, ich kam wohl noch auf die nächste Fähre. Dann wurde es entspannter, wir konnten auf "Line 1" vorfahren und schauten noch einigen Fahrzeugen zu, wie sie im Bauch des Schiffes verschwanden.
Dann durften wir Radler noch an Bord gehen und konnten uns im Bugbereich einen Platz für unser Fahrrad suchen. Ladungssicherung wird auf dem Kahn richtig groß geschrieben, zum Glück war das Meer heute ruhig. Als alle an Bord waren, begann die kurz Überfahrt nach Helsingør in Dänemark.
Nach rund 20 Minuten Fahrzeit erreichten wir auch schon Helsingør. Es war schon ein toller Anblick, wie die Fähre mit offener Bugklappe auf den Hafen zufuhr und anschließend auch die Dimension der Fähre, aus der ein Fahrzeug nach dem anderen ausgespuckt wurde.
Ich war in Dänemark, meinem dritten Land, in welchem ich auf meiner diesjährigen Radreise unterwegs sein werde.
Nach einer ziemlich wilden Verkehrsführung (hin und wieder zurück), landete ich in einem Würstchenbude am Wasser mit Blick auf das Rathaus und Schloss Kronborg und füllte meinen Speicher wieder auf: Schicken-Käse-Toast und eine Portion Cola.

Unweit des Hafens war dann auch der erste Hinweis auf mein heutiges Ziel Kopenhagen.
Jetzt ging es immer der Küste entlang nach Süden. Blöd nur, dass das Ufer relativ dicht bebaut war, so konnten man nur am Anfang und ab und zu mal direkt am Meer fahren. Aber wenn es da war, war es schön.
Bei Gentofte stand das Knud Rasmussens Monument. Es erinnert an Knud Rasmussen, einen dänisch-grönländische-dänischen Polarforscher, der 6 der 7 Thule-Expeditionen geleitet hat. Hier schaute er auf das Meer.
An der nächsten Ampel traute ich meinen Augen nicht, da war doch echt eine Abstütz- und Haltehilfe für Radfahrer aufgestellt, damit man nicht absteigen muss. Ich hatte das zwar schon einmal in der Zeitung oder dem Fernsehen gesehen, aber nicht geglaubt, dass so ein Schmarrn tatsächlich aufgestellt wird. Was es nicht alles gibt...
Nach rd. 2 Stunden erreichte ich Hellerup, einen Vorort von Kopenhagen mit seinem außergewöhnlichen Aussichtsturm Toborgflaksen. Diese Aussichtsturm wurde 1888 im Rahmen der Nordische Industrieausstellung in Kopenhagen gebaut und seitdem mehrfach umgebaut. Der ursprüngliche Aufzug mit Wasserkraft wurde zwischenzeitlich durch eine Wendeltreppe ersetzt, die ursprüngliche Bespannung durch eine Glasfaseraußenhaut ersetzt.
Auf meinem weiteren Weg durch die Stadt kam ich an einem Turm vorbei. Was erstmal an ein Minarett erinnert, war in Wirklichkeit der Turm einer Abwasserpumpstation. Der Turm dient zum Entlüften der Kanalisation und soll, durch die hochliegenden Auslässe, die umliegenden Bewohner vor einer Geruchsbelästigung schützen.
Da die weltbekannte kleine Meerjungfrau relativ weit vom Stadtzentrum entfernt ist, hatte ich beschlossen auf meinem Weg ins Hotel hier vorbei zu fahren. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mein Vater enttäuscht war, als er diese kleine Statue gesehen hat. Er hatte sie sich größer vorgestellt. Das war jetzt aber schon rd. 50 Jahre her. Hier war es aber der reine Horror. Diese Menschenmassen, die sich um diese kleine Statue drängten. Irgendwie ungewohnt nach den letzten Tagen in Schweden. Viel zu sehen gibt es hier, außer eben dieser Statue, nicht. Ich schaute mit das ganze Gewühle einige Zeit an, bevor ich mich auf den Weg zum Hotel machte.
Eine Fahrt durch die Stadt dauert gefühlt immer ewig, da man nur langsam vorankam. Vor dem Kunstmuseum musste ich an einer Ampel warten und betrachtete das Gebäude. Die Fahnen mit dem Aufdruck "Kopenhagen Sprint" sagten mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Nach einer längeren Strecke durch die Stadt erreichte gegen 15:20 Uhr das Scandic Hvidovre, meine Unterkunft für die nächsten 2 Nächte.
Als ich ankam wunderte ich mich, als ich vor dem Hotel die Servicefahrzeuge zweier Radsportteams, incl. einer mobilen Werkstatt sah. Im Hotel selber dann jede Menge Radfahrer. Nach einer längeren Wartezeit am Check-In konnte ich mein Fahrrad schnappen und mein Zimmer beziehen.
Die Auswahl an Futterstellen war recht übersichtlich, hier draußen rund um das Hotel. Entweder das Restaurant im Hotel (hier entsprach weder der Preis, noch die Portionsgröße meinen Vorstellungen), die Tankstelle nebenan oder der Schachtelwirt auf der anderen Straßenseite. Egal, Hauptsache ich bekam als Goodie noch einen Erdbeermilchshake.
































