Mit dem Fahrrad von Oslo nach Flensburg
14.06.2025 - Tag 3: Vestby - Halden (95km, 980Hm)

Da ich in der Küche noch nicht einmal einen Kaffee kochen wollte, bleib es auch heute Morgen bei süßen Teilchen, Saft und Trinkjoghurt. Also alles Sache, bei denen man nichts aus der Küche brauchte.

Uns so ging es dann um 8:00 Uhr los. Erstmal ging es runter zum Supermarkt und dann, na klar, gleich wieder aufwärts.

Nach einem stetigen auf und ab erreichte ich Moss, eine Kleinstadt mit knapp über 50.000 Einwohnern. Beeindruckend war die "Storebro steinhvelvbru" unterhalb des Kraftwerks mit seiner Steinformationen im Bachbett. Leider war nicht viel Wasser da, so dass man die Aussicht nicht voll genießen konnte. 

Hier in Moss war um diese Zeit eigentlich niemand unterwegs, die ganze Stadt wirkte wie ausgestorben. Nur am Fährhafen waren Aktivitäten zu sehen.

Bals schon verließ ich die Stadt auch schon wieder und radelte noch nur das ein oder andere Örtchen am Stadtrand. Und wieder stand ein alter LKW, diesmal aber in tollem Zustand am Straßenrand. Vielleicht war es eine alte "nur" eine alte Bauform, in jedem Fall sah er gut aus. Zurück auf der Straße sind dann einige Jugendliche auf alten Mopeds die Straßen entlang geknattert. Sah nach einem lustigen Ausflug aus.

Es war schon faszinieren, wo auch immer Wasser war, gab es einen Hafen und Boote. 

     

Bei Spetalen bog ich links ab, um auf einem kleinen Nebensträßchen den Bogen der Hauptstraße zu entgehen. Hier mache das Radeln Spaß, da es kaum Verkehr gab. Aber eigentlich wollte ich ans Meer. Nach kurzer Zeit kam ich zurück auf die Hauptstraße. Hier stand dann auch wieder ein Schild, das vor Elchen warnte. Gesehen habe ich noch keinen, obwohl ich immer die Augen offen hielt. Ich glaub zwischenzeitlich ja fast, dass es ein Mythos ist, dass es hier Elche gibt. Alle glauben es, weil immer wieder diese Schilder da stehen.

     

Vor Borge hatte ich dann die Möglichkeit, die Hauptstraße, auf der ich wieder gelandet war, wieder zu verlassen und Richtung Meer zu fahren. Eigentlich eine gute Idee, so fand ich zumindest. Aber zuerst einmal ging es bergauf, bevor es dann hinunter Richtung Meer ging.

     

Es waren traumhafte Ausblick, ob auf dem Rennrad oder auch am Ufer. Hier ließ es sich aushalten und so setzte ich mich bei einer Bäckerei in den Schatten, genoss ein zweites Frühstück (eigentlich das erste richtige für heute) und ließ den leiben Gott einen guten Mann sein.

     

Frisch gestärkt ging es vom Meer aus wieder über die Hügel wieder bergauf in Richtung Fredrikstad, einer Stadt mit immerhin ca. 85.000 Einwohnern. Gleichzeitig mündet hier die Glomma im Meer. An der Glomma war ich schon letztes Jahr ab Kongsvinger gefolgt war. Der erste Eindruck war geprägt von einer schönen Brücke und einer tollen Sicht auf die dort liegenden Yachten.

Auf dem Hauptplatz fand gerade ein Flohmarkt statt, mir war aber mehr nach einem Fahrradladen, da meine Cleats an den Schuhen durch waren und keinen Halt mehr boten. Zum Glück war vorne an der Straßenecke ein Fahrradladen, der auch noch auf hatte. Die Teile waren zwar gepflegt teuer, aber ich hatte zumindest wieder halt in den Pedalen. 

     

Gegenüber des Hauptplatzes gab es noch eine weitere schöne Brücke (vor allem mit dem schönen orangen Fahrrad im Vordergrund) und das Pumphaus von Fisketorvet zu bewundern. 

           

Dann war es aber auch schon wieder Zeit Fredrikstad zu verlassen und  ein Stück gen Westen zu fahren. Die Fredrikstad-Brücke ließ mich ein letztes Mal die Glomma überqueren, bevor diese ins Meer floss. War schon eine imposante Brücke mit fast 900m Länge, einem Rad-/Fußweg und einer tollen Aussicht auf die letzten Meter der Glomma vor der Mündung.

     

Weiter ging es auf kleinen Straßen und Radwegen, bevor ich in Høysand wieder ans Meer kam.

     

Am Ende von Hoysand stoppte ich noch kurz an einem Eisdiele und trank, wie so oft auf den Radreisen, eine Cola. Das war eine guten Entscheidung, da es gleich danach anstrengend wurde. Das Ausmaß war mir aber zu dem Zeitpunkt noch nicht klar. Erst noch ein paar Meter am Meer entlang, bevor es links bergauf am Campingplatz vorbei, bergauf ging. Das war eine ordentliche Steigung, aber zumindest asphaltiert. Kurze Zeit später endete der Weg in einem Feldweg. Da umkehren keine Option war, war die Devise "Augen zu und durch". 

     

Ich war jedenfalls froh, nicht allzu weit auf dem Feldweg fahren zu müssen und war froh, wieder auf die Hauptstraße abbiegen zu können. Auf der 248 Richtung Halden begann dann auch wieder ein Fahrradweg, so dass ich meinem heutigen Etappenziel freudig entgegenradeln konnte.

     

In Halden selbst war mächtig was los. Es schien, als wenn am heutigen Tag eine größere Veranstaltung in der Stadt stattgefunden hatte. Die Stande wurden aber schon abgebaut. Nach etwas Suche fand ich auch meine heutige Unterkunft das "O Brian Gjuesthus". Zuerst musste ich jedoch für den Schlüssel in das O'Brians Pub gehen. Blöd nur, dass die unfreundliche Dame hinter dem Tresen nichts von einer Reservierung wusste (oder einfach nur nichts wissen wollte). Nachdem noch ein Gast mit ihr diskutiert hat, bekam ich dann einen Schlüssel und der Gast zeigte mir meine Unterkunft.

War das eine Überraschung: Statt des gebuchten "Studio Apartment" fand ich mich in einer versifften 8-Mann-Sammelunterkunft wieder, die ich, da war der Typ, der mich rüber gebracht hatte ganz stolz drauf, allein für mich hatte. Aber warum aufregen, ich hatte ein Unterkunft und es war ja auch nur für eine Nacht. Den vollen Preis für das "Studio Apartment" hat die Dame dann aber schon berechnet. Ich bis ja bei meinen Buchungen der Unterkunft selten auf die Nase gefallen, aber hier schon mal richtig...


     

Nachdem ich in der verschimmelten Dusche geduscht hatte, ging es raus in die Stadt. Da in Laufweite noch 3 Geocaches lagen, dachte ich, es wäre eine gute Idee, diese zu suchen. Als ich beim "Kongegården" stand und schaute, wo sich die Dose verstecken könnte. spürte ich auf einmal eine Hand, kalt wie die von einer Leiche auf meinem Arm. Ich drehte mich in Richtung der Person und sah einen völlig durchgeknallten Mann mit blonder Perücke auf, einen neongelben Borat-Badeanzug über einer grünen Leggins und regenbogenfarbenem Oberteil. In dem Moment hat der Typ mir dann doch echt noch mit der Hand auf der Arsch geklatscht. Sein Glück war nur, dass ihn seine Kumpels schnell weggezogen haben, sonst hätte ich ihm eine betoniert. Dann ist er auf die Straße gerannt und hat dort getanzt. Ich weiß nicht was der Typ eingeworfen hatte, aber ganz sauber war der wahrscheinlich auch im cleanen Zustand nicht. Seine Kumpels sind dann mit ihm zu einem alten amerikanischen Straßenkreuzer gegangen und haben ihn dass auf der Rücksichtbank mittig rein gesetzt und sind abgedüst. Ich war jedenfalls bedient.
Zumindest hatte man hier vom Ufer des Flusses Tista einen tollen Blick auf die Festung Frederiksten. Auf dem Weg zum Supermarkt kam ich dann auch an der Immanuel Kirche vorbei, die sich unterhalb der Festung befand. 

Zum Abendessen ging ich ums Eck in Dickens Restaurant. Ich bestellte eine kleine Pizza (immerhin 30cm Durchmesser) und bekam dann eine große Version mit dem Hinweis, dass sie keine kleinen hätten, ich aber nur die kleine bezahlen müsste. Schade um die Pizza, weil ein 40cm Pizza schaffe ich wirklich nicht alleine und so ging ein nicht unbedeutender teil der Pizza zurück. Schade drum.
Anschließend ging ich zurück in meine Nobelhütte und versuchte zu schlafen. Nicht einfach, wenn es keine Verdunkelungsmöglichkeit gab und sich unmittelbar vor dem großen Schaufenster eine Straßenlaterne befand. Erschwerend kam hinzu, dass ich um 10 Uhr abends die Typen im Nebenzimmer noch lautstark gestritten haben. Und als ich dann endlich geschlafen hatte, kamen die Typen so gegen 2:30Uhr nachts zurück ins Zimmer und stritten weiter. Ne, Halden wird mir nicht in guter Erinnerung bleiben.

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